Die optimale Website-Struktur für Kanzlei-Homepages

VN:F [1.9.22_1171]
Bitte bewerten Sie diesen Artikel.
Dieser Artikel hat eine Bewertung von 3.0 von 5 Sternen auf Grundlage von 2 Beurteilungen.

Bei der Erstellung einer Kanzlei-Homepage darf nicht außer Acht gelassen werden, dass diese nicht nur die Mandanten überzeugen sollte, sondern auch von Google als relevant erachtet werden muss. Nur dann hat die Kanzlei nämlich eine Chance, für die relevanten und lukrativen Suchbegriffe im organischen und/oder lokalen Index auf einer Top-Platzierung gefunden zu werden.

Bei der Erreichung dieses Zieles spielt die Struktur der Homepage eine entscheidende Rolle. Zu berücksichtigen sind dabei vor allem die folgenden Punkte:

  1. Wie viele Seiten werden angelegt und was sind deren Inhalte?
  2. Wie sieht die interne Verlinkung bzw. Hierarchie der Homepage aus, ausgehend von der Startseite?

In diesem Artikel erfahren Sie, wie die optimale Struktur einer Kanzlei-Homepage gestaltet sein sollte und was Kanzleien beachten müssen, die an mehreren Standorten oder in mehreren Rechtsgebieten tätig sind. Aufgrund des überragenden Marktanteils beziehen sich alle folgenden Ausführungen auf Google. Die zugrundeliegenden Mechanismen sind aber auch bei anderen Suchmaschinen – wie z.B. Bing – ähnlich bzw. identisch.

1) Organische und lokale Ergebnisse
Die Google-Ergebnisseite kann in drei Bereiche aufgeteilt werden:

  1. Bezahlte Anzeigen (rote Markierung): Hierfür ist die Teilnahme am Anzeigenprogrammen Google AdWords erforderlich. Für jeden Klick auf eine Anzeige wird ein vorher festgelegter Preis berechnet.
  2. Lokale Ergebnisse (blaue Markierung): Um hier zu erscheinen, ist ein Eintrag bei Google My Business Voraussetzung. Die meisten Kanzleien dürften einen solchen haben, da Google diesen automatisch auf Grundlage der Daten in anderen Verzeichnissen (z.B. Telefonbuch oder Gelbe Seiten) generiert.
  3. Organische Ergebnisse (grüne Markierung): Die Reihenfolge der Suchergebnisse in diesem Bereich wird von Google unter Berücksichtigung von zahlreichen sog. „Ranking-Faktoren“ festgelegt.
Google Suchergebnisseite bei der Suche nach einem Rechtsanwalt

Viele Ranking-Faktoren sind im lokalen und organischen Index identisch, werden aber unterschiedlich stark gewichtet. Es gibt allerdings auch Faktoren, die nur bei den lokalen Suchergebnissen zum Tragen kommen. Dazu gehören der Eintrag sowie die Anzahl und Qualität der Nutzerbewertungen bei Google My Business sowie eine einheitliche Kommunikation von Firmenname, Adresse und Telefon-Nummer in den diversen Online-Verzeichnissen. Außerdem wird der exakte Standort des Internet-Nutzers immer stärker berücksichtigt, so dass – in Abhängigkeit vom genauen Suchbegriff – oftmals nur Kanzleien angezeigt werden, die sich in unmittelbarer Nähe des Suchenden befinden.

2) Grundüberlegungen

Im Vorfeld der Erarbeitung einer suchmaschinenoptimierten Webseiten-Struktur spielen die folgenden Punkte eine wichtige Rolle:

  1. Man muss natürlich die Suchbegriffe kennen, für die man bei Google gefunden werden möchte. Daher ist eine umfangreiche Keyword-Recherche Pflicht. Sie sollten dabei nicht nur die Suchvolumina der möglichen Suchbegriffe berücksichtigen, sondern auch kritisch überlegen, welche Suchbegriffe tatsächlich zu Mandantenkontakten bzw. zu konkreten Mandaten führen.
    Sehr zuverlässige Daten liefert hierfür z.B. eine Google AdWords Kampagne.
  2. Als Ergebnis der Keyword-Recherche wird man feststellen, dass es für die meisten Rechtsgebiete einen dominanten Suchbegriff sowie diversen Varianten davon gibt. Regelmäßig ist dies die Kombination Anwalt/Rechtsanwalt + [Rechtsgebiet] + [Ort] (also z.B. Anwalt Mietrecht Passau, Anwalt Gewerbemietrecht Passau, Anwalt WEG-Recht Passau usw.).
  3. Google mag Themen-Cluster, d.h. idealerweise dreht sich die ganze Homepage semantisch nur um ein Thema. Aus diesem Grund hat eine spezialisierte Kanzlei, die nur in einem einzigen Rechtsgebiet tätig ist, ceteris paribus bessere Karten bei Google als ein Rechtsanwalt, der mehrere Rechtsgebiete bearbeitet. Gleiches gilt – nach unserer Erfahrung allerdings deutlich weniger ausgeprägt – auch für die Anzahl der Standorte.
  4. Die Startseite ist üblicherweise die stärkste Seite einer Homepage und sollte daher für den wichtigsten und am stärksten umkämpften Suchbegriff optimiert werden. Je weiter oben in der Homepage-Hierarchie eine Seite steht bzw. je besser sie intern verlinkt ist, desto besser sind die Chancen auf ein gutes Google-Ranking.
  5. Jede Seite kann nur auf einen Suchbegriff bzw. ein eng abgegrenztes Thema optimiert werden. Daher hat man in jedem halbwegs umkämpften Markt – und darum handelt es sich beim Thema Rechtsberatung inzwischen in allen größeren Städten – keine Chance, mit einer Unterseite für verschiedene Rechtsgebiete eine Top-Platzierung zu erreichen.
    Wie wir weiter unten ausführen werden, macht diese thematische Spezialisierung mit Blick auf die Nutzerfreundlichkeit zwar manchmal keinen Sinn, ist aber aus SEO-Gründen zwingend erforderlich.

Mit diesen Überlegungen im Hinterkopf wird nun aufgezeigt, wie die optimale Webseiten-Struktur einer Kanzlei-Homepage aussieht. Dabei wird unterschieden, an wie vielen Standorten und in wie vielen Rechtsgebieten die Kanzlei tätig ist.

3) Fall 1: Ein Rechtsgebiet / Ein Standort

Dies ist aus SEO-Sicht sicherlich die einfachste Konstellation, da man sehr leicht sowohl eine thematische als auch eine regionale Spezialisierung aufbauen kann.

Die Startseite der Homepage wird für das Haupt-Keyword optimiert. Die verschiedenen Fachbereiche werden direkt in der Haupt-Navigation verlinkt oder – falls es dafür zu viele sind – unter einem Menüpunkt „Fachbereiche“ (o.ä.) zusammengefasst:

Webseitenstruktur für eine Kanzlei mit einem Rechtsgebiet und einem Standort

Grds. ist es zwar auch möglich, mit nur einer Übersichtsseite zum Mietrecht auch für Suchanfragen zu den verschiedenen Fachbereichen wie Gewerbemietrecht, Nachbarschafts- oder WEG-Recht eine Top-Position zu erzielen, wenn diese dort inhaltlich umfassend abgedeckt werden. Oft führt dies aber dazu, dass die Seite extrem aufgebläht und damit für den potenziellen Leser extrem abschreckend wird. Außerdem funktionieren inhaltlich stark fokussierte Seiten zumeist einfach besser (siehe Grundregel 3).

4) Fall 2: Mehrere Rechtsgebiete / Ein Standort

Der klassische „Feld-Wald-und-Wiesen Anwalt“. Bei diesem Szenario muss die hohe lokale Relevanz ausgenutzt werden, um trotz semantischer Unklarheit gute Rankings zu erzielen.

Die Startseite wird in Abhängigkeit von der Anzahl der Rechtsgebiete auf „RA [Ort]“ optimiert. Seitenüberschrift und HTML-Titel können dabei durchaus die wichtigsten Rechtsgebiete enthalten („Rechtsanwalt für X + Y + Z in Ort“). Die Rechtsgebiete werden direkt in der Haupt-Navigation verlinkt oder – falls es dafür zu viele sind – unter einem Menüpunkt „Rechtsgebiete“ (o.ä.) zusammengefasst.

Von den Übersichtsseiten des jeweiligen Rechtsgebiets können dann wiederum Unterseiten für die verschiedenen Fachbereiche verlinkt werden.

Webseitenstruktur für eine Kanzlei mit mehreren Rechtsgebieten an einem Standort

5) Fall 3: Ein Rechtsgebiet / Mehrere Standorte

Aus SEO-Sicht eine sehr schöne Konstellation, denn die thematische Spezialisierung/Relevanz der gesamten Homepage kann genutzt werden, um an mehreren Standorten Top-Rankings zu erzielen.

Bei mehr als zwei Standorten ist eine Menü-Rubrik „Standorte“ mit Unterseiten für die einzelnen Standorte dringend zu empfehlen. Bei nur zwei Standorten können diese auch direkt in die Haupt-Navigation der Homepage integriert werden.

An diesem Beispiel sieht man bereits, dass eine SEO-optimierte Homepage-Struktur nicht zwangsläufig auch optimal für den Nutzer ist: Da die Leistungen einer Anwaltskanzlei in einem bestimmten Rechtsgebiet i.d.R. an allen Standorten identisch sind, würde eigentlich eine einzige inhaltlich umfassende Unterseite zur Leistungsbeschreibung ausreichen. Erfahrungsgemäß hat man damit aber keine Chance, an mehreren Standorten gefunden zu werden und ist daher dazu gezwungen, mehrere weitgehend inhaltsgleiche Seiten zu erstellen.

Webseitenstruktur für eine Kanzlei mit einem Rechtsgebieten an mehreren Standorten

Der Footer der Homepage enthält die vollständigen Kontaktdaten aller Standorte mit schema.org Auszeichnung:

Einbindung der Kontaktdaten aller Standorte im Webseiten-Footer

6) Fall 4: Mehrere Rechtsgebiete / Mehrere Standorte

Dies ist mit Blick auf das Thema Suchmaschinenoptimierung sicherlich die komplizierteste Konstellation, da kaum eine regionale oder thematische Spezialisierung aufgebaut werden kann.

Es kommen hier einige Techniken zum Einsatz, die bereits aus den vorherigen Fällen bekannt sind:

  • Rubrik „Standorte“ mit Unterseiten für die einzelnen Standorte
  • Rubrik „Rechtsgebiete“ mit Unterseiten für die einzelnen Rechtsgebiete
  • Vollständige Kontaktdaten aller Standorte im Footer mit schema.org Auszeichnung
  • Eine wirkliche Keyword-Optimierung der Startseite macht bei diesem Szenario keinen Sinn, zur Stärkung der semantischen Relevanz können aber HTML-Titel und Seitenüberschrift z.B. wie folgt lauten: „Rechtsanwalt für X + Y + Z“

Aufgrund der Vielzahl der zu erstellenden Unterseiten spielt die interne Verlinkungeine besonders wichtige Rolle. Dabei kann sowohl thematisch als auch regional verlinkt werden, um den „Link Juice“ der Domain möglichst gut auf der Webseite zu verteilen.

Webseitenstruktur für eine Kanzlei mit mehreren Rechtsgebieten an mehreren Standorten

7) Fazit

Die Struktur einer Homepage hat entscheidenden Einfluss auf deren Chancen, für die lukrativen Suchbegriffe bei Google eine Top-Position zu erreichen. Daher sollten entsprechende Überlegungen idealerweise bereits vor Umsetzung der Webseite angestellt werden, denn spätere Umbauten sind zumeist mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden.

Zu berücksichtigen sind in erster Linie die Anzahl der Rechtsgebiete und Standorte einer Kanzlei. In Abhängigkeit davon ergeben sich unterschiedliche Ansätze für die bestmögliche Website-Struktur.

Das könnte Sie auch interessieren

Über den Autor

Lars Hasselbach ist Gründer und Geschäftsführer von AdvoAd, einer auf Rechtsanwälte spezialisierten Agentur für Online Marketing. Er arbeitet seit 2005 mit Google AdWords und war u.a. Lehrbeauftragter für Suchmaschinenmarketing an der Hochschule Darmstadt. Außerdem verantwortete er über mehrere Jahre die AdWords-Kampagnen der Deutschen Telekom und von E-Plus.